Kappeln

Wer die Hafenstadt an der Schlei besucht, kommt an Heringen nicht vorbei. Aber auch sonst hat Kappeln einiges zu bieten.

Klappbrücke, Heringszäune, Landarzt – das sind nur drei der Schlagworte, die einem spontan zu Kappeln einfallen. Der Name der Stadt weist auf ihre Anfänge zurück: Kappeln leitet sich von Kapelle ab. Denn im 12. Jahrhundert bauten Seefahrer als Dank für eine sichere Überfahrt hier ein Gotteshaus. Später wurde daraus die St. Nikolai-Kirche, die heute eines der Wahr­zeichen der Stadt ist. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Kappeln im Jahre 1357. 1406 wurde der Ort dem Domkapitel der Stadt Schleswig zugeordnet und 1533 an das Adelsgut Roest verkauft. Als der dor­tige Gutsherr Detlev von Rumohr 1666 versuchte, die Einwohner zu Leibeigenen zu machen, zogen mehr als 60 Familien weiter südlich an die Schlei und gründe­ten dort die heutige Stadt Arnis.

Stadt des Herings und des Räucherfischs

Das Leben in Kappeln ist von jeher mit dem Wasser verbunden. Die wichtigste Einnahmequelle war der Fischfang. Ein Zeugnis aus dem 15. Jahrhundert und welt­weit einzigartig ist der Heringszaun. Die Flechtzäune waren damals vielfach in der Schlei zu finden. Der Heringszaun in Kap­peln wurde von den Adligen, die entlang der Schlei lebten, gebaut, um den Holmer Fischern in Schleswig ihr Revier streitig zu machen. Heute besteht der Heringszaun aus insgesamt 2.000 in den Schleigrund gerammten Pfählen aus Eschenholz mit einer Länge zwischen 1,80 Meter und 4,50 Meter. Die Heringe betrachten den Zaun zwar als natürliches Hindernis, aufgrund der starken Strömung kehren sie aber nicht um, sondern folgen der sich veren­genden Konstruktion, bis sie keinen Aus­weg mehr haben. Rund um den Herings­zaun veranstaltet Kappeln jährlich am Himmelfahrtswochenende die Heringsta­ge (30. Mai bis 2. Juni 2019). Die Schorn­steine der Fischräucherei Föh zeigen schon deutlich eine der Spezialitäten des Hauses an: AAL steht in großen weißen Lettern auf den drei Schloten, die sich unweit des Hafens in den Himmel recken. Seit Generationen werden hier Fische von Aal bis Zander in den traditionellen Altonaer Öfen geräuchert und veredelt.

Stadt der Häfen

Seit jeher gab es in Kappeln eine Verbin­dung zwischen den Landschaften Angeln im Norden und der Halbinsel Schwansen im Süden der Schlei. Im Jahr 1867 wurde die Pendlerfähre zwischen Angeln und Schwansen eingestellt und durch eine Pontonbrücke ersetzt. Seit 2002 gibt es die heutige Klappbrücke. Ortskundige und alle Segler wissen: Immer um „Viertel vor“ der vollen Stunde öffnet sich diese Brücke und lässt die Segler und Fahrgastschiffe pas­sieren. Maritimes Erbe lässt sich auch am Museumshafen bewundern. Schon vom Weitem sind die hölzernen Masten der traditionsreichen Schiffe zu sehen. Alte Frachtsegler, Lastkähne, Kutter und Platt­bodenschiffe haben hier ihren Liegeplatz und werden von ihren Eigentümern liebe­voll instand gehalten. Immer am Himmel­fahrtstag startet hier die Heringsregatta nach Sonderburg in Dänemark. Ganz und gar lebendig ist der Fischereihafen in Kap­peln. Frühmorgens laufen hier die Fischer­boote aus, um wenig später ihren Fang an Land zu bringen. Einheimische und Gäste können Fisch direkt vom Kutter kaufen und auch zahlreiche Restaurants bezie­hen hier ihre frische Ware. Besonders zur Heringszeit ist der Kai ein Magnet für Ang­ler. Der Hafen bietet gute Gelegenheiten zur Einkehr. Bars und Restaurants laden mit gastronomischem Angebot zu bester Aussicht. Von März bis Oktober findet an jedem letzten Sonntag im Monat von 9 bis 17 Uhr der Fischmarkt statt. Hier gibt es nicht nur Fisch, sondern auch Obst, Kunst­handwerk, Antiquitäten und mehr.

Prominente Innenstadt

Fernsehberühmtheit hat Kappelns hüb­sche Innenstadt durch die ZDF-Serie „Der Landarzt“ erlangt. Der fiktive Ort Deekel­sen ist aus zahlreichen Orten in der Regi­on zusammengesetzt. Ein beliebter Treff­punkt für alle Landarztfans aber natür­lich auch für Urlauber und Einheimische ist das Gasthaus Aurora. Denn hier war im Film „Asmussens Kneipe“. Und auch sonst ist Kappeln einen Bummel wert. In den kleinen Passagen und Einkaufstraßen bieten viele inhabergeführte Geschäfte ein angenehmes Shoppingerlebnis fernab von Stress und Hektik.

Nostalgische Dampfeisenbahn

Und noch ein historisches Highlight erwar­tet die Besucher Kappelns. Und zwar nicht auf dem Wasser, sondern auf der Schiene: die Angelner Dampfeisenbahn. Das nos­talgische Erlebnis beginnt im Kappelner Bahnhof. Unter lautem Zischen stößt die Lokomotive ihren Dampf aus, der Ton der Trillerpfeife ist das Signal zur Abfahrt. In Reisewagen aus den 1920er Jahren führt die Fahrt durch die malerische Landschaft Angelns bis nach Süderbrarup. Besonders zur Zeit der Rapsblüte im Mai ist das ein unvergesslicher Anblick.

Strandvergnügen

Auf der Schwansener Seite lädt der Wei­defelder Strand zu beinah unbegrenztem Ostsee-Strandvergnügen. Auf zwei Kilo­metern Länge ist hier alles geboten, was das Herz des Badegastes begehrt. Neben einer Strandkorbvermietung, einem Spiel­platz und Volleyballfeldern gibt es auch ein Hundelaufstrand und FKK Bereich. Auch bei Surfern und Kitesurfern ist der Strand beliebt. Kinderanimation und ein schützendes Auge der DLRG-Rettungs­schwimmer machen den Strand auch für Familien perfekt. Im Restaurant Lobster ist die Verpflegung gesichert.

Buntes Vergnügen in Kappeln

In Kappeln ist immer etwas los. Ein High­light des Veranstaltungskalenders sind die Heringstage vom 30. Mai. bis 2. Juni 2019, die in diesem Jahr bereits zum 41. Mal stattfinden. Auf die Besucher war­tet neben der berühmten Heringswette ein buntes Programm. Aber auch sonst steht Fisch im Mittelpunkt: Von März bis Oktober findet immer am letzten Sonn­tag des Monats der traditionelle Fisch­markt statt. Dann gibt es nicht nur Fisch vom Kutter, sondern auch Antiquitäten, Kunsthandwerk und Flohmarktartikel. Beim Kappeln Open Air am 13. Juli wird der Nordhafen zur Partymeile mit bester Musik. „Keramik und Genuss“ gibt es am 3. und 4. August beim Töpferfestival auf dem Deekelsen-Platz. Zu einer langen Kinonacht unter freiem Himmel lädt das Sommernachtskino am 23. August.

Lust auf Shoppen

Kappelns hübsche Innenstadt lädt mit zahlreichen inhabergeführten Geschäf­ten zum entspannten Einkaufsbummel. Im Rahmen der Bäderregelung haben die Geschäfte in Kappelns Innenstadt vom 15. März bis 31. Oktober auch sonntags geöff­net. In der Fußgängerzone lassen sich im Boden eingelassene Heringsplatten aus Messing bewundern.

Kulturelle Vielfalt

Kappeln hat eine kleine aber feine Kunst- und Kulturszene. Zu den Topadressen gehört das Kunsthaus Hänisch mit seinen Ausstellungen regionaler und überregi­onaler Künstler. In der Alten Maschinen­halle geben sich Künstler aus Comedy und Musik die Klinke in die Hand, und auch die Bühne der Kultur-Kneipe Palette in der Fußgängerzone ist für manche Über­raschung gut. Hörenswert sind auch die Konzerte in der St.-Nikolai-Kirche.

Freiraum für Kunst

Wo ließe es sich besser kreativ sein als in der malerischen Landschaft der Schleiregi­on? Genau auf diese Inspiration der Natur setzt die neue Sommer-Akademie für Bil­dende Kunst. Die Schlei-Akademie öffnet vom 8. Juli bis 2. August ihre Pforten. Unter dem Motto „Freiraum für Kunst“ bietet das Programm mehr als 40 Kurse von Malerei und Zeichnung über Bildhauerei bis hin zu Fotografie, Street-Art Kalligrafie oder Illustration. Teilnehmen können alle Kunstinteressierten ab 16 Jahren. Neben Wochenkursen gibt es auch Wochenend­kurse und Abendveranstaltungen. Die Schlei-Akademie ist ein Inklusionsprojekt und findet in den barrierefreien Räumen der Albert-Schweitzer-Schule des St. Nico­laiheims Sundsacker e.V. statt. Das weit­läufige Gelände bietet viel Freiraum für künstlerische Entfaltung.