Schwerwetter

Gloria! Oh, Gloria!

Eisiger Wind, Überschwemmungen, Monsterwellen – gleich zu Jahresbeginn sorgte Sturmtief „Gloria“ für Weltuntergangsstimmung in Spanien und hinterließ vielerorts eine Spur der Verwüstung. Kurz danach fegte „Sabine“ über Norddeutschland und sorgte in Winterlagern wie im Hafenbecken nicht nur für angespannte Nerven. Meteorologen erwarten im Zuge des Klimawandels eine Zunahme von Stürmen in und außerhalb der Saison. Bleibt die Frage: Hätte so mancher Bootsschaden nicht auch vermieden werden können?

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Mit Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h fegte Sturmtief „Gloria“ Mitte Januar über den Osten Spaniens hinweg. Meteorologen verzeichneten Rekordwerte für Wind und Wellen, in einigen mallor­quinischen Häfen ging die See mehr als drei Meter hoch. Unzählige Boote wurden aus ihrer Verankerung gerissen und teils stark beschädigt. Mit dem Frühjahr und Herbst brechen bekanntermaßen stürmi­sche Zeiten an. Doch auch im Sommer und Winter können Sturmtiefs ungemütlich werden und bedeuten für Wassersportler ein erhöhtes Gefahrenpotenzial.

„Die meisten Sturmschäden sind auf Kol­lisionen, gerissene Festmacher oder slip­pende Anker zurückzuführen. In solchen Fällen gehen Schiffe dann auf Drift, schla­gen gegen die Pier oder kollidieren mit dem Nebenlieger. Die richtige Vorberei­tung ist das A und O, damit Schiff und Crew ein Unwetter möglichst schadlos überstehen. Oft sind es gerade die kleinen Dinge, die Großes bewirken. Ein zusätzli­cher Fender hier, eine weitere Heckleine da, der Blick in den Wetterbericht oder ein vorbeugender Ausrüstungs-Check “, weiß Holger Flindt, Leiter der Schadenabteilung bei Pantaenius Yachtversicherungen.

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Grundsätzlich muss ein Schiff bei jeder Wetterlage sicher am Liegeplatz festge­macht sein. Doch gerade wer seine Yacht für längere Zeit unbeaufsichtigt liegen lässt, sollte gewisse Schwerwettervorkeh­rungen treffen. „Interessanterweise treten Sturmschäden eher selten bei Fischerboo­ten auf. Sturmtiefs wie ‚Gloria‘ werden rechtzeitig angekündigt, und oft sind nach dem Sturm dann Boote betroffen, die unbemannt und über einen länge­ren Zeitraum hinweg unbeobachtet an ihrem Liegeplatz lagen. Yachteigner haben in diesen Fällen entweder viel zu spät oder gar nicht reagiert. Am einfachsten ist es natürlich, den Hafenmeister oder den Nachbarlieger darum zu bitten, gelegent­lich die Leinenführung und Befenderung zu überprüfen. Dabei gilt es vor allem, auf eine ausreichende Dimensionierung der Festmacher, der Fender sowie auf die örtlichen Witterungs-und Strömungsver­hältnisse und den Tidenhub zu achten.“

Häfen bieten jedoch nicht bei allen Wet­terlagen Schutz. Wer als Yachteigner selbst nicht vor Ort ist, sollte einer beauf­tragten Person ermöglichen, das Boot jederzeit aus dem Hafen in Sicherheit zu bringen.

Wer sich nicht in einem Hafen befindet, sollte bei der Auswahl eines geeigne­ten Ankerliegeplatzes sorgsam sein. Die ausreichende Entfernung zum Land und die Lage in einer geschützten Bucht sind dann entscheidend. „Ankerlieger sind angehalten, regelmäßig Anker, Ankerket­te sowie Ankervorrichtung auf Verschleiß und Funktionalität hin zu kontrollieren. Wer beim Ankern die Wassertiefe und Kettenlänge beachtet, regelmäßig die Position kontrolliert und eine Ankerwa­che aufstellt, der hat schon einmal gut vorgesorgt“, erklärt Holger Flindt.

Nun ist nicht jeder Liegeplatz bei einem Unwetter gleich sicher. In der Bucht vor Pollença lagen viele Boote, wie häufig im Mittelmeerraum zu beobachten, normal vor Anker und nicht an einer Mooring. Während „Gloria“ wütete und so man­cher Fischer sein Schiff noch rechtzeitig in eine ruhigere Bucht verlegte, traf es die zurückgebliebenen Yachten besonders schwer. „Landnähe bedeutet Brandungs­zone. Im flachen Wasser bauten sich wäh­rend des Sturms kurze steile Wellen auf, die das Material sofort stark belasteten. Klingt paradox, aber bei Unwetter wäre man auf hoher See manchmal sogar bes­ser aufgehoben, als in vermeintlich siche­rer Küstennähe.“

Sturmtiefs wie „Gloria“ haben so eini­ge Rekorde geknackt und wiederholen sich vermutlich nicht alle Tage. Für Yacht­eigner ist dennoch Vorsicht geboten. Gesunder Menschenverstand, gute See­mannschaft sowie eine vorausschauen­de Denkweise zahlen sich im Ernstfall aus. Wetterberichte regelmäßig abhören, bei Sturm Legerwall meiden, rechtzei­tig reffen oder auch die Geschwindigkeit frühzeitig den Gegebenheiten anpas­sen – Punkte, die selbstverständlich sein sollten. Und ebenfalls ganz wichtig: Das eigene Boot auch in den Wintermonaten nicht ganz aus den Augen verlieren.

 

Mehr zum Thema Schwerwetter finden Sie auch unter pantaenius.de/Prävention.


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