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Gezeitensegeln zwischen den Meeren

Die Nordsee mit ihren Inseln ist Seglerparadies und Her­ausforderung zugleich. In der inneren Deutschen Bucht liegen die Mündungsreviere von Elbe und Weser, die die Hansestädte Stade, Hamburg und Bremen erst zu dem gemacht haben, was sie sind. Heute werden die Gewässer von Berufsschifffahrt und Sportschifffahrt gemeinsam genutzt. Der Reiz, direkt neben den großen Pötten zu fahren, kommt auch im Nord-Ostsee- Kanal nicht zu kurz.

Die Lange Anna auf Helgoland umrunden

Die Nordsee ist ein echtes Paradies für Segler. Sie gilt als eines der schönsten Reviere der Welt – aber auch als eines der anspruchsvollsten. Vor allem die Gezei­ten, die wechselnden Winde und das Watt erfordern einen erfahrenen Skipper. Eine gründliche Vorbereitung des Törns ist unumgänglich, ein Gezeitenkalender gehört auf jeden Fall an Bord. Deutsch­lands einzige Hochseeinsel ist Helgoland. Die Insel ist als zentraler Anlaufpunkt in der Deutschen Bucht beliebt. Ein Land­gang lohnt sich hier nicht nur, um Vor­räte aufzustocken und zoll- und steuer­frei einzukaufen. Für seetüchtige Yachten ist das Befahren des Seereviers rund um Helgoland gut machbar, allerdings sollte man auch hier unbedingt auf das Wetter achten. Von Helgoland aus lassen sich die nordfriesischen Inseln wie Föhr und Sylt oder auch die Eidermündung in einem Tagestörn erreichen.

Gemächlich auf der Eider schippern

Wer von der Nord- in die Ostsee gelan­gen möchte, passiert die Schleuse am imposanten Eidersperrwerk und findet im historischen Hafen von Tönning an der Eidermündung eine reizvolle Zwischensta­tion. Ein Ausflug ins Multimar Wattforum bringt Abwechslung für die ganze Familie. Wer holländisches Flair erleben möchte, ist in Friedrichstadt richtig. Das historische Stadtbild mit gepflasterten Straßen, baum­bestandenen Grachten und reizvollen Brü­cken verzaubert den Besucher. Hinter der Schleuse Nordfeld beginnt die Binnenei­der, die sich in zahlreichen Windungen an malerischen Orten vorbeischlängelt. Sport­boote mit einem Tiefgang von unter 1,8 Meter können die Eider problemlos befah­ren. Wer mehr Tiefgang hat, muss sich mit den gezeitenabhängigen Wasserständen gut auskennen. Zahlreiche Häfen laden hier zum Festmachen. Ganz gemächlich geht es über das mäandernde Gewässer und über den Gieselaukanal in die meist­befahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt: den Nord-Ostsee-Kanal.

Große Pötte treffen auf dem Nord-Ostsee-Kanal

Der Nord-Ostsee-Kanal verbindet Bruns­büttel an der Elbmündung mit der Kieler Förde. Hier liegen Sport- und Berufsverkehr nah beieinander, Angst vor großen Pötten darf man hier nicht haben. Und man sollte sich gut mit den Regeln für die verschiede­nen Verkehrssituationen vertraut machen. Ein Zwischenstopp in Rendsburg lohnt sich. Die Eisenbahnbrücke ist ein sehens­wertes Highlight, aber auch die Innenstadt mit ihren alten Fachwerkhäusern und ver­winkelten Gässchen hat einiges zu bieten. An der Schleuse Kiel-Holtenau führt die Reise zwischen den Meeren dann schließ­lich in die Ostsee.

Mit der Tide von Cuxhaven nach Hamburg

Wer von Brunsbüttel nicht zur Ostsee, sondern nach Hamburg gelangen möchte, befährt die Unterelbe. Zwischen Cuxhaven und Hamburg sind circa 40 Seemeilen zu bewältigen. In dem Gezeitenrevier lebt man mit Ebbe und Flut, der Tidenkalender ist unverzichtbar. Lohnenswert ist auf der Strecke ein Halt in Glückstadt, hier gibt es nicht nur faszinierende Baudenkmäler, sondern auch den berühmten Glückstäd­ter Matjes. Weiter stromaufwärts liegt im Alten Land die Hansestadt Stade. Dort, wo früher Hanseschiffe entladen wurden und lange Zeit die Schweden herrschten, laden heute Cafés zur Pause in historischem Ambiente. Die große weite Welt wird in Wedel vor den Toren Hamburgs begrüßt. Wedel beherbergt nicht nur den wohl größten Sportboothafen Deutschlands, sondern auch die berühmte Schiffsbegrü­ßungsanlage „Willkomm Höft“. „Willkom­men in Hamburg, wir freuen uns, Sie im Hamburger Hafen begrüßen zu dürfen“ klingt es hier aus großen Lautsprechern, wenn die großen Schiffe aus aller Herren Länder mit ihrer Nationalhymne begrüßt und verabschiedet werden. Doch nicht nur große Pötte, sondern auch Sportboote sind in der Hansestadt Hamburg herzlich willkommen. Zahlreiche Häfen bieten hier Anlegemöglichkeiten für einen ausgiebi­gen Landgang über Reeperbahn, Michel, Rathausmarkt, Jungfernstieg und Co. Ein Muss ist der Hamburger Hafen mit Lan­dungsbrücken, Speicherstadt und Elbphil­harmonie.

Auf der Weser von Cuxhaven nach Bremen

Schon immer haben die Hansestädte Hamburg und Bremen um die Gunst der Seefahrer konkurriert. Und so muss sich auch der Skipper in Cuxhaven entschei­den, denn nicht nur die Elbe, sondern auch die Weser lockt hier mit attraktiven Zielen. Zunächst einmal lohnt sich ein Abste­cher nach Ostfriesland. Norddeich und Norderney bieten unverfälschten Nord­seecharme und Badevergnügen. Wer sich entschließt, die Weser hinaufzuschippern, findet in Hooksiel am Ufer des Jadebu­sens ein beschauliches Örtchen mit lan­ger Seefahrt- und Fischereitradition. Über die gezeitengeprägte Unterweser geht es nach Bremerhaven. Bei einem Landgang faszinieren die neuen Havenwelten mit beeindruckender Architektur, dem Deut­schen Schifffahrtsmuseum und dem Kli­mahaus. Der Überseehafen lässt sich gut mit dem Fahrrad erkunden. Mit gleich mehreren Häfen in und um Bremen ist das nächste Ziel ebenfalls einen mehrtägi­gen Landgang wert. In der Hansestadt Bre­men erwarten den Besucher nicht nur die Bremer Stadtmusikanten, sondern auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie das 600 Jahre alte Rathaus, das Altstadtviertel Schnoor oder die Böttcherstraße mit ihrer weltberühmten Backsteinarchitektur.