Mecklenburg-Vorpommern

Kaiserbäder, Backsteingotik, offene See und geschützte Gewässer

Wer die Auswahl liebt, ist in Mecklenburg-Vorpommern genau richtig. Das Küstenland im Nordosten Deutschlands besticht durch seine Vielfalt. Die Mischung aus unberührter Natur, Seen und Meeresstrand, Festland und Inseln, jahrhundertealter Tradition und urbanem Flair zieht die Menschen an. Rund 2.000 Kilometer Ostseeküste, ebenso viele Binnenseen und über 26.000 Kilometer lange Fließgewässer bieten ideale Wassersportbedingungen.

Welterbe-Hopping

Stattliche Kirchtürme, imposante Stadttore, Bürgerhäuser aus roten Ziegeln – die Ostseeregion ist geprägt von beeindruckenden Bauwerken. Über 30 Städte in Dänemark, Polen und Deutschland liegen an der „Europäischen Route der Backsteingotik“, etliche von ihnen in Mecklenburg-Vorpommern. Das Mittelalter brachte der Ostseeregion Macht und Reichtum und das zeigten Kirche, Adel und Kaufmannschaft in prächtigen Bauten. Weil es kaum Naturstein gab, brannte man Lehm zu Backstein und schuf damit architektonische Juwelen, die bis heute die Silhouetten der einst mächtigen Hansestädte prägen. Besonders umfassend erhalten ist die Backsteingotik in den Altstädten von Wismar und Stralsund, die 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden.

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Das hanseatische, rot leuchtende Vermächtnis lässt sich auch wunderbar wasserseitig erfahren. Ein schöner Mehrtagestörn führt von Wismar nach Rostock. Wismar ist die zweitgrößte Hafenstadt Mecklenburg-Vorpommerns. Die aufwendig sanierte Innenstadt hält mit den Backsteinkirchen, den historischen Giebelhäusern und dem Rathaus viele Sehenswürdigkeiten bereit. In der Wismarer Bucht lockt die Insel Poel. Von Seeseite kommend, ist der Leuchtturm von Timmendorf gut zu sehen. Auch Boltenhagen hat mit einem fünf Kilometer langen Sandstrand, der imposanten Steilküste und der charmanten Bäderarchitektur gute Argumente, im drittältesten Ostseebad festzumachen. Über Kühlungsborn mit seiner markanten Seebrücke und den endlos scheinenden Stränden geht es weiter gen Warnemünde, wo diverse Yachthäfen Anlegemöglichkeiten bieten. Von dort sind es nur noch wenige Seemeilen bis zur Hansestadt Rostock mit historischem Stadtzentrum und eindrucksvollen Gotischen Backsteinbauten. Jenseits der Warnow erstreckt sich die Rostocker Heide. Bereits von Weitem grüßt der Backsteinturm von St. Marien in der Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten. Entlang der Boddengewässer zwischen der idyllischen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und dem Festland ist die Vinetastadt Barth einen Stopp wert. Vom Barther Kirchturm schweift der Blick über das einzigartige Vogelparadies des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. In der Ferne ist die Silhouette von Stralsund zu sehen. Mit ihren drei monumentalen Backsteinkirchen und der liebevoll restaurierten Altstadt ist Stralsund in jedem Fall einen Landgang wert, bevor der Törn durch die Meerenge Strelasund weiter nach Rügen führt.

Kurs „rund Rügen“

Mit den Herausforderungen der offenen See und dem Schutz kleiner Buchten ist die Küste Mecklenburg-Vorpommerns ein Paradies für Segler. Ein besonders beliebtes Ziel ist Rügen. Mit knapp 600 Kilometern Küste mit vielfältigen Einschnitten und kleinen Buchten, den imposanten Kreidefelsen, dem Kap Arkona mit seinen Leuchttürmen und nah beieinander gelegenen Häfen verspricht Rügen Segelerlebnisse der besonderen Art. Von der Ostsee kommend, sind zwischen Hiddensee und Rügen zunächst zahlreiche Landzungen und Flachstellen zu passieren. Die schmalen Fahrwasser im Schaproder Bodden und die mögliche Begegnung mit einer entgegenkommenden Fähre erfordern genaue Beachtung der Betonnung. Im Strelasund werden die Fahrwasser breiter, und im Greifswalder und Rügener Bodden öffnet sich ein weites Gewässer. Das Navigieren um Rügen erfordert aufgrund der sich je nach Wind schnell ändernden Strömungsverhältnisse besondere Aufmerksamkeit und ein gewisses Maß an Übung. Die zahlreichen Häfen und Marinas laden zum Verweilen und zum Eintauchen in die faszinierende der Natur von Wiek und Bodden, von Kreideküste und Kiefernwälder, von weißen Stränden und strahlender Bäderkultur.

Seebäder - Gesundheit und gesellschaftlicher Status

Die Seebadkultur hat in Mecklenburg-Vorpommern Tradition. Hier erholten sich schon Kaiser, schöpften Dichter und Denker Inspiration. Das erste deutsche Seebad wurde 1793 auf Veranlassung des Mecklenburgischen Herzog Friedrich Franz I. in Heiligendamm gegründet. Schon damals war man sich der gesundheitsfördernden Wirkung eines Bades in der Ostsee bewusst. Sein Leibarzt Dr. Vogel riet ihm zum Sprung in die Fluten, um die „außer Zweifel gesetzte heilsame Wirkung des Badens im Seewasser in sehr vielen Schwachheiten und Kränklichkeiten des Körpers“ zu nutzen. So entstand von 1800 bis 1870 die „Weiße Stadt am Meer”, ein einzigartiges architektonisches Ensemble von Logier-, Bade- und Gesellschaftshäusern. Am Giebel des von Baumeister Severin 1814 bis 1816 errichteten Kurhauses zeugt die Inschrift „HEIC TE LAETITIA INVITAT POST BALNEA SANUM” (Frohsinn erwartet dich hier, entsteigst du gesundet dem Bade) vom Lebensgefühl im eleganten Badeort Heiligendamm. Weitere Seebäder folgten, darunter die berühmten Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin auf Usedom.

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Ihren Namen verdanken die Kaiserbäder den Besuchen von Wilhelm II., der regelmäßig nach Usedom in die „Badewanne von Berlin“ reiste. Mit der beginnenden Industrialisierung zog es auch das Großbürgertum an die See. Die „feine Gesellschaft“ gab sich hier ein Stelldichein. Mit dem Bau stattlicher Villen zeigten Bankiers und Großindustrielle ihren gesellschaftlichen Status. Heute gibt es in Mecklenburg-Vorpommern über 65 staatlich anerkannte Kur- und Erholungsorte.

Naturerlebnisse

Wer die kleinen, idyllischen Häfen und naturbelassene Küstenabschnitte liebt, liegt auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst genau richtig. Die Lagunenlandschaft gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und steht unter besonderem Schutz. Typische Kiefernwälder auf sandigem Boden und Sumpfwälder mit Erlen prägen das Landschaftsbild. Eine Attraktion auf dem Darß sind nicht nur die vielen verschiedenen Vogelarten, sondern auch die Rothirsche. Sofern das Wetter es zulässt, belohnt ein Törn zum Ende der Segelsaison mit einem ganz besonderen Naturschauspiel. Denn im Herbst machen bis zu 60.000 Kraniche in den seichten Boddengewässern Rast. Zwischen Rügen, dem vorpommerschen Festland und Usedom liegt wie eine Lagune der Greifswalder Bodden. Wie auch das Gebiet Strelasund ist der Greifswalder Bodden als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen und ein wahres Naturparadies. Das leicht salzige Brackwasser des Boddens, das sich aus dem Wasser der Ostsee, des Flusses Ryck und des Peenestroms zusammensetzt, bietet Fischen wie Aalen, Barschen, Hechten und Zander ideale Lebensbedingungen. Auch hier besteht teils geringe Wassertiefe, das Fahrwasser ist unbedingt zu beachten.