Wenn es haarig wird an Bord

Segeln mit Hund

Neben Vor- und Achterleinen gibt es immer mehr Hundeleinen auf deutschen Fahrtensegelschiffen.
Ob die haarigen Crewmitglieder ins Bordleben passen? Ja, meint Nina Schubert, zumindest wenn die Bedingungen stimmen.

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Neben Vor- und Achterleinen gibt es immer mehr Hundeleinen auf deutschen Fahrtensegelschiffen. Ob die haarigen Crewmitglieder ins Bordleben passen? Ja, meint Nina Schubert, zumindest wenn die Bedingungen stimmen.

Unsere Crew bestand bis vor einem Jahr aus menschlichen Steuermännern und Vorschotern. Doch im April 2018 bekamen wir haarigen Familien- und damit Crewzuwachs: Ein zweimonatiger Labradoodle-Welpe mit Namen Lotte zog bei uns zu Hause wie auch an Bord ein. Und damit begann das Abenteuer Bordhund, das unsere Törns zwar kürzer machte, unser Bordleben aber um ein Vielfaches bereicherte.
Bevor wir das tapsige Fellbündel das erste Mal an Bord begrüßten, machten wir uns Mut beim Studium der Literatur und der sozialen Medien. Und wir waren überrascht, wie viele Informationen (und Mutmacher!) es zu diesem Thema gibt. Ob das Buch „EinHundSegeln“ von Stephan Boden oder Facebookgruppen wie „Segeln mit Hund“ gaben uns wertvolle Hinweise, worauf wir achten sollten. Und wir fingen langsam an: Mit zehn Wochen lernte Lotte zunächst die Geräusche und Gerüche im Hafen kennen. Fallenklappern, Wind und knarrende Stege sowie das „Aroma“ von Antifouling und Seetang sind viele Informationen, die ein junger Hund in seinen Träumen verarbeiten muss … Der nächste Schritt ging dann an Bord. Unsere Reling hatte mein Mann bereits vorher mit einem Netz gesichert – nicht schön, aber zweckmäßig. Ein paar Tage später war es dann soweit: Wir machten unseren ersten Ausflug aufs Wasser unter Motor. Wie Lotte das fand? Wir wissen es nicht genau. Sie hat es vorgezogen, die ganze Zeit auf ihrem neuen Lieblingsplatz unter der Sprayhood zu schlafen. Anspannung sieht anders aus … Und auch das erste Mal Segelsetzen war für Lotte nicht weiter erwähnenswert – an Bord schläft es sich nämlich besonders gut. Schließlich hatte sie festgestellt, dass Herrchen und Frauchen nicht so schnell abhauen können von Bord – das ist Entspannung pur!

Unser erster Wochenendtörn führte uns nach rund zehn Meilen nach Damp. Dort gibt es schließlich einen Hundestrand. (Ja, die Prioritäten haben sich etwas verscho­ben!) Nach drei Stunden war der Welpe landgangreif und freute sich, die vier Pfoten in Sand und Wasser zu stecken. Die Rücktour nach Eckernförde war bei auflandigem Wind mit Welle dann schon etwas anspruchsvoller – besonders für den kleinen Hundemagen. Erkenntnis des Tages: Bei Seegang gibt’s morgens kein Frühstück!

Den turnusmäßigen Sommersegelurlaub verbrachten wir in der Dänischen Südsee. Länger als zwei bis drei Stunden waren wir selten auf dem Wasser. Stattdessen erkundeten wir gemeinsam mit unserem Vierbeiner die Inselwelt, machten tolle Spaziergänge und wunderbare Bekannt­schaften. Insbesondere Bordhund Ernie hatte es unserer Lotte angetan. Der quir­lige Rüde war ein Liebhaber des kühlen Nass´ und animierte Lotte, es ihm gleichzutun. Lotte war wohl etwas verliebt – und schwamm hinter Ernie her. Seitdem wissen wir: Auch Lotte kann schwimmen.

Unser Fazit aus der ersten Bord­hund-Saison: Segeln mit Hund ist durchaus möglich und bringt Zwei-wie Vierbeinern jede Menge Spaß. Doch sollte sich jeder, der mit der Anschaffung eines Bord­hundes liebäugelt, auch über die Einschränkungen klar sein. Hunde brauchen Bewegung – ausreichend Land­gänge sind natürlich zwingend erforder­lich. Auch sollte man das rassebedingte Wesen eines Hundes berücksichtigen: Ein Hund, der drei bis vier Stunden am Tag Bewegung und viel Freiheit braucht, ist gegebenenfalls weniger als Bordhund geeignet. Auch sehr ängstliche oder sehr große Hunde sowie ältere Hunde, die das Segeln nicht von klein auf gewohnt sind, können Schwierigkeiten mit dem Leben an Bord haben. Zudem sollte man sich Gedanken machen, wie man einen Hund an Bord bekommt: Einen zehn Kilo leich­ten Labradoodle kann man bequem an Bord tragen, ein 30 Kilo schwerer Labrador braucht eventuell eine „Gangway“, um an Bord zu gelangen. Eine Schwimmweste ist für den Vierbeiner ebenso Pflicht wie für Zweibeiner. Denn: Auch wenn der Hund schwimmen kann, wieder an Bord holen lässt er sich nur mit dem Griff oben an der Schwimmweste. Fachgeschäfte für Tierbedarf bieten eine große Auswahl an Westen für jede Größe. Und ansonsten gilt für Segeleinsteiger-Hunde ebenso wie für -Menschen: Lang­sam anfangen, alles in Ruhe kennenler­nen und positive Erfahrungen bei leichten Winden sammeln. Dann klappt´s auch mit der Segelleidenschaft.


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