Guter Service und frische Brötchen

„Ich bin durch und durch ein Servicemensch!“, sagt Claus Boisen. Der sympathische Hafenmeister in der dänischen Marina Minde stellt nicht nur sicher, dass alle Segler einen schönen Aufenthalt in seinem Hafen haben. In seinen Zuständigkeitsbereich fallen vor allem auch Aufgaben wie „gute Laune“ und „kleine Extras“.

An einem frühen Sommermorgen zur Marina zu kommen, zu sehen, wie alles langsam erwacht, ist für Hafenmeister Claus Boisen das Schönste an seinem Beruf.

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In der Segelsaison fängt der Tag von Marina Mindes Hafenmeister Claus Boisen früh an – am liebsten, bevor die Marina erwacht. Während der ersten Sonnenstrahlen geht er bereits seine Runde über die Stege, räumt etwas auf, genießt die Aussicht, schaut, ob alles in bester Ordnung ist und vielleicht über Nacht ein neues Boot angelegt hat.

Wenn die Segler ihre Luken öffnen und die ersten verschlafenen Köpfe auftauchen, wünscht Claus Boisen fröhlich „Guten Morgen“. Bester Laune geht er in sein Hafenmeisterbüro, setzt den Kaffee auf und stellt die vielen Brötchentüten bereit.

 „Dann duftet es herrlich nach frisch geba­ckenen Brötchen und Kaffee. Das ist immer ein schöner Empfang, wenn die Segler hereinkommen, das Hafengeld bezahlen und ihr Frühstück abholen“, erzählt Claus Boisen.

 

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Immer da: Hafenmeister Claus Boisen hat ein Auge auf die Boote im Hafen.

 

Kleine Auszeit in der Flensburger Förde

Ganz oben in der Flensburger Förde liegt die kleine Marina gut geschützt vor dem rauen Ostseewetter. Nach Deutschland ist es nur ein Katzensprung, und die „Däni­sche Südsee“ sowie die Ostküste Jütlands sind von der Marina aus gut zu erreichen. „Die Natur rund um Minde ist wunder­schön, es gibt Bademöglichkeiten für Kin­der und einen Steg, von dem aus man direkt ins Wasser springen kann. Kinder lieben zudem den spannenden Natur­spielplatz. Hier gibt es für alle etwas“, erläutert Claus Boisen. „Das Fahrwasser ist gut geschützt und ideal zum Paddeln. Viele nutzen die Gelegenheit und machen eine Fahrradtour durch die wunderbare Gegend hier, zum Beispiel entlang des Gendarmenpfades. Wer Lust hat zu grillen, kann dies auf der großen Wiese machen, und wenn es regnet, steht allen das Multi­haus zur Verfügung.“

Segler seit „schon immer”

Claus Boisen ist 45 Jahre alt und seit zwölf Jahren Hafenmeister und Mitarbeiter in Marina Minde. Er hat eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht, segelt selbst und ist auch gerne mal mit dem Kite oder dem Surfboard unterwegs. „Tatsächlich habe ich mein erstes Segelboot gekauft, als ich 15 Jahre alt war, und im Prinzip segele ich schon mein ganzes Leben lang. Heute habe ich gar nicht mehr so viel Zeit zum Segeln, aber ich habe ein Motorboot, das wir zum Wasserski fahren nutzen“, erzählt Claus Boisen. Und es gibt auch immer mal wieder Gastsegler, die gerne Wasserski fahren – die nimmt der passio­nierte Wassersportler gern mit.

Ganz und gar Servicemensch

Auf die Frage, was ihm an seinem Job als Hafenmeister gut gefällt, antwortet Claus Boisen: „Ich mag Boote, Menschen und fri­sche Luft – und all das bietet meine Arbeit. Ich bin auch einfach durch und durch Ser­vicemensch. Ich mag es, die Kunden der Marina zu bedienen, damit sie sich wohl und willkommen fühlen. Gerne erledige ich kleine Extras – beim Festmachen hel­fen oder nach dem Boot schauen, falls ein Eigner mal weg muss. Hat sich ein Segel losgerissen oder ähnliches, kümmere ich mich sofort darum und informiere natür­lich die Eigner.“ Besonders freut sich der Hafenmeister auch über das viele Lob für unsere sauberen Sanitäranlagen. Für den Hygge-Faktor gibt es sogar Musik in den Dusch- und Toilettenräumen. Das kommt bei den Gästen richtig gut an.

 

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Beste Lage: Die Marina Minde liegt gut geschützt in der Flensburger Förde.

 

Brötchen-Service-Verfahren

Das mit dem Service gilt für alle Bereiche im Hafen. Claus Boisen legt viel Wert auf eine persönliche Betreuung. Das Hafen­büro ist jeden Tag besetzt und geöffnet, am Wochenende auch immer länger als in der Woche. „Ich habe extra ein ,Brötchen- Service-Verfahren‘ erstellt“, lächelt der Hafenmeister verschmitzt. Die Segler kön­nen ihre Brötchen bei mir im Büro bei der Ankunft und beim Bezahlen bestellen oder sie schicken eine SMS mit Bootsnamen und der Anzahl Brötchen. Ich sende dann eine Übersicht an den Bäcker, und früh am nächsten Morgen werden die Bestel­lungen in nummerierten Tüten geliefert. An einem guten Sonntag im Sommer verbreiten somit viele hundert Brötchen ihren Duft in meinem Büro und im ganzen Hafen“, berichtet der Hafenmeister und fügt hinzu: „In der Saison ist das Büro bis relativ spät besetzt, meistens bis 21 Uhr. Und ansonsten dürfen mich die Leute auch gerne anrufen, ich wohne nur fünf Minu­ten vom Hafen entfernt.“

Außer Claus Boisen selbst gibt es noch drei weitere Mitarbeiter, die die Segler im Hafen antreffen: Boisens Partner, Hans Lin­dum Møller, Birgit, das Mädchen für alles im Büro und Einkaufsladen, und Sten, der Hafenmeisterassistent.

Stege reparieren und Rennbahnen bauen

Claus Boisen ist ursprünglich gelernter Zimmermann, und man sieht es der Mari­na an, dass der Hafenmeister handwerklich was drauf hat. Einen Großteil der Winter­zeit verbingt er mit Instandsetzungen der aus Holz gebauten Stege, Gebäude, Zäune und vielem mehr – und manchmal wird auch was ganz Neues gebaut. Die „Wett­kampfbahnen“ für Krebsrennen zum Bei­spiel: Es gibt vier Bahnen, auf denen die von den Kindern gefangenen Krebse um die Wette zurück in die Freiheit, ins Hafenbe­cken, laufen können. „Wir haben unglaub­lich viele Krebse hier, und es ist einfach eine schöne Beschäftigung für die Kinder, die Krebse zu fangen und um die Wette krab­beln zu lassen“, sagt Claus Boisen.

Der Hafenmeister ist zusätzlich auch Mit­arbeiter der Marina Toft in Gråsten. „Es ist nur eine Seemeile von einem zum anderen Hafen. In Marina Toft bieten wir die Unter­bringung von Booten in Hallen an, ins­gesamt 6.000 Quadratmeter überdachte Fläche, und zusätzlich können viele noch draußen stehen. 2020 haben wir in einen nagelneuen Säulenkran investiert, der Boote bis zu 30 Tonnen kranen kann. Und einen ganz neuen Mastenkran haben wir auch gekauft. Ich selbst bin bei allen Kran­arbeiten dabei, Frühjahr und Herbst sind für mich die stressigsten Jahreszeiten“, erklärt der Hafenmeister.

 

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Valhalla, der Ort für Mensch und Mast

Eines von Claus Boisens Bauwerken ist das Multihaus Valhalla. Es bietet auf 100 Qua­dratmeter viele Möglichkeiten. Die Gast­segler können hier Kaffee kochen, essen und ihren Abwasch erledigen. „Valhalla ist 20 Meter lang, im Winter dient es uns als Lager für die Masten. Außerdem ist das Gebäude Lagerhalle für Tische und Bänke und alles andere, was im Winter unter Dach muss“, erläutert Claus Boisen. In der Nordischen Mythologie ist Valhalla der Ort, an dem die Krieger speisen. Und wenn Marina Minde Besuch von Clubs und Vereinen hat, die hier Regatta segeln, dann ist Valhalla ein beliebter Aufenthaltsort, an dem die Sportler zusammenkommen und sich vom Kampf mit den Wellen erholen.

Die Nutzung von Valhalla ist für alle Seg­ler im Hafen kostenfrei, für größere Ver­anstaltungen können die Räumlichkeiten reserviert werden. Gegenüber von Valhalla liegt das beliebte Hafenrestaurant Værftet, wo von frischem Fisch bis zum saftigen Steak nahezu alles serviert wird. „Wollen die Segler also mal einen Tag nicht selbst in der Kombüse stehen, liegt die Lösung ganz nah“, sagt der Hafenmeister lächelnd.

Bretter, die seine Freizeit bedeuten

Hat der Hafenmeister eigent­lich irgendwann auch mal frei?

Aber natürlich! Seine Freizeit verbringt Claus Boisen am liebstem auf einem Brett: Seine (seltenen) freien Sommertage nutzt er, um Wasserski zu fah­ren oder Kite- oder Windsurfen zu gehen. Und wenn die Mari­na im Winter geschlossen hat, geht es ab in den Schnee zum Skifahren.

 

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Immer in Schwung: Auch in seiner Freizeit ist Claus Boisen am liebsten draußen. Und im Winter gern auf der Piste.

 

Text: Lise Mortensen (übersetzt)
Fotos: Henrik Matzen


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