Eingeweht: 10 Tipps gegen den Hafenkoller

ein Beitrag von Nina Schubert

Der Wind heult durch den Hafen, der Regen prasselt aufs Deck, das Fall am Nachbarschiff klappert unaufhörlich gegen den Mast. Wenn der Sommer sich wieder von seiner sehr norddeutschen Seite zeigt, geht die Stimmung an Bord häufig in den Keller (beziehungsweise in die Bilge). Für Stimmungshoch sorgen Aktivitäten, die auch unter der Kuchenbude, in der Messe oder rund um den Hafen stattfinden. Nina Schubert hat ihre zehn besten „Tipps gegen den Hafenkoller“ zusammengestellt.

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Tipp 1: Mau-Mau bringt nur bei Schietwetter Spaß

Für den Schietwetter-Fall haben wir immer einige Gesellschaftsspiele an Bord, die – in kleinen Verpackungen verstaut – nur wenig Platz im Schapp wegnehmen. Bei Sonnenschein lassen wir sie dort auch. Doch wenn der Hafenkoller droht, wird eine Partie Mau-Mau, Kniffel oder Phase 10 gespielt. Gerade die Spieleklassiker finden wir super, schließlich muss man nicht erst lange die Spielanleitung wälzen, um nach längerer Abstinenz wieder ins Spiel zu finden. Unser aktueller Favorit ist das Kartenspiel von Monopoly in der praktischen kleinen Kunststoffverpackung. Wer noch einen Motivationsschub mehr braucht, kann „Preise“ ausloben (zum Beispiel ein Riegel Lieblingsschokolade). Für alle, die keine Spiele an Bord aber eine WLAN-Verbindung im Hafen haben: Viele Klassiker lassen sich auch online spielen. Einfach mal googeln.

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Tipp 2: Kleine Ausflüge als Tageshighlights planen

Wer ein paar Tage eingeweht im Hafen „Zwangsstopp“ macht, hat endlich Zeit, die Gegend zu erkunden. Dabei gibt’s die besten Ausflugstipps meist im Hafen- und/oder Touristbüro. Einfach mal hingehen und fragen, was man in der Umgebung und ohne eigenes Auto gut unternehmen kann. Die meisten Unternehmungen bringen auch bei Schauerwetter Spaß (die passende Kleidung gehört für Segler eh zum Standard-Outfit). Bei Dauerregen empfiehlt sich ein Indoor-Angebot. Warum nicht mal ins kleine Heimatmuseum im Ort gehen, auch wenn man Kulturbanause ist? Meist versprühen diese Einrichtungen einen liebevollen Charme. Pro Tag eine Ausflugsaktivität lenkt wunderbar vom Schietwetter ab und sorgt für einen wohltuenden Stimmungskick bei Skipper und Crew.

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Tipp 3: Familien-Expedition ins Tierreich

Während wir Menschen uns bei Regenwetter gern verkrümeln, kommt die Tierwelt häufig in Schwung. Das sieht man nicht nur im Hafen, sondern vor allem auch im Wald und auf Wiesen. Also Ölzeug und Gummistiefel an und ab nach draußen mit der ganzen Familie! Wenn es regnet, kommen viele Tiere aus ihren Löchern gekrabbelt, die sich sonst unter Laub oder Gehölz verstecken. Wer entdeckt die Tiere, die den Regen lieben? Zurück an Bord gibt’s eine heiße Tasse Kakao und viel zu erzählen.

Tipp 4: Für kleine Handwerker und Bootsbauer

Mal das Smartphone oder Tablet aus der Hand legen und das handwerkliche Geschick herausfordern. Sammelt im Wald oder am Gehölzrand Holz und Blätter und baut daraus mit Bordmitteln Gegenstände. Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ob ein kleines Holzboot, das während der weiteren Tour am Heck festgemacht hinterherschwimmt, oder eine ungewöhnliche Feengestalt, die ein tolles Kleid aus Blättern und Küchenpapier trägt – seid einfach kreativ!

Tipp 5: „Ich sehe was, was du nicht siehst“ auch für Erwachsene

Boote gucken, das gehört für Segler und Motorbootfahrer zu den Lieblingsbeschäftigungen. Um ein bisschen Bewegung in die steifen Gelenke zu bringen, machen wir gern einen Spaziergang über die Stege im Hafen oder entlang der Hafenkante. Um das ganze spielerisch zu gestalten (und auch für mehr Achtsamkeit…), kann man den Spaziergang nach dem Motto „Ich sehe was, was Du  nicht siehst, und das ist klein, knarzig und hat eine weiße Rolle.“ (Auflösung: Der Großschotblock am Schiff an Steg 4.)

Tipp 6: Fit halten und beweglich werden

Gerade die gekrümmte Haltung an Bord macht Rücken, Beinen und Nacken häufig keine Freude. Neben der klassischen Joggingrunde oder einer Radtour mit den Leihrädern im Hafen bietet das eigene Boot häufig einen schönen Trainings-„Parcours“. Für die Muskulatur lassen sich Schoten und Winschen optimal zu Trainingsgeräten umfunktionieren. Am besten zu zweit: Einer ist das Gegengewicht am anderen Ende der Schot, der andere kurbelt an der Winsch (bitte keine Elektrowinsch…) oder zieht per Hand. Ähnlich lässt sich auch gemeinsam Krafttraining am Fall machen (zum Beispiel am Spifall). Für die Dehnung stellt man sich vorn aufs Deck und dehnt den gesamten Körper einmal durch. Zum Beispiel ein Bein auf den Bugkorb und Oberkörper nach vorne lehnen. Wem das zu prominent ist, findet im Cockpit oder in der Kajüte auf Backskiste oder Koje Gelegenheit zum Trainieren.

Tipp 7: Kreativ in der Bordküche werden

Bei schlechtem Wetter ist Zeit zum Schnippeln im Überfluss vorhanden. Doch häufig möchte man zusätzliche Feuchtigkeit durch Wasserdampf beim Kochen vermeiden. Wie wäre es mit einem Ausflug in den nächsten (Super-)Markt und nur die Produkte kaufen, die lecker sind und gleichzeitig wenig bis gar keine Garzeit benötigen. Wer gern was warmes im Bauch bei dem Wetter hat, kann einfach mal eine Dose mit Suppe, Nudeln oder ähnlichem aufmachen und kurz erhitzen. Dazu gibt es frischen Salat, köstliches Brot und ein persönliches Highlight wie leckerem Dip, Räucherfisch oder Kräuterbutter. Anregungen für einfache Rezepte an Bord gibt es im Internet.

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Tipp 8: Mehr als „Havnepenge“ und „Farvel“

Viele Törns führen in unsere Nachbarländer, allen voran nach Dänemark. Häufig freuen wir uns, dass die Dänen mit ihrem süßen Akzent so gut Deutsch können. Doch warum nicht mal umgekehrt ein paar freundliche Worte in der Landessprache sagen? Die Schietwetterzeit an Bord ist ideal, um täglich ein paar Sätze zu üben. Mini-Sprachkurse gibt es kostenfrei im Internet. Wer nicht online ist, kann zum Beispiel in der gedruckten Ausgabe von Sejlerens Das Hafen-Magazin stöbern und die Hafenbeschreibungen auf Dänisch lesen. Das schult nicht nur das Verständnis für die dänische Sprache, sondern macht gleichzeitig Lust, weitere Häfen kennenzulernen.

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Tipp 9: Endlich Zeit zum Lesen

Im Alltag kommen wir meist nur dazu, wenige Seiten am Tag zu lesen. Gerade bei Schietwetter kann man es sich aber mit einem tollen Buch so richtig gemütlich machen. Wer Gewicht sparen möchte, nimmt einen E-Book-Reader mit an Bord. Wie wäre es zum Beispiel mit einer „Seefahrt mit Huhn“? Die Welt des Bretonen Guirec Soudée ist das Meer. Aufgewachsen auf einer winzigen Insel, schmeißt er mit 16 die Schule, um seinen Traum von einer Weltumsegelung zu verwirklichen. Seine Begleitung an Bord: die fidele Monique – ein rotbraunes Huhn. Gemeinsam segeln sie über den Atlantik, erkunden Grönland, kämpfen sich 130 Tage durch Packeis und queren die Nordwestpassage, bevor sie gen Süden fahren: vorbei an pazifischen Inseln, durch die wilde See um Kap Hoorn bis in die Antarktis. Diesen und sechs weitere Buchtipps gibt es in der gedruckten Ausgabe von Sejlerens Das Hafen-Magazin. Hier bestellen.

Tipp 10: Nehmen, wie´s kommt

Als Wassersportler lieben wir das Spiel mit den Elementen. Und wir wissen: Jeden Tag mit drei bis vier Beaufort und Sonne satt sind unrealistisch – und würden auf Dauer unseren Sport auch langweilig machen. Statt stündlich die Wind- und Wetterprognose zu checken und nur den Fokus auf das vermeintlich Negative zu lenken, kann man seine Aufmerksamkeit auch auf die guten Seiten lenken (siehe Tipp 1 bis 9). Denn: Wir können unsere Einstellung ändern, aber nicht das Wetter. Wer die Regel „ein Drittel der Zeit für den Hinweg und zwei Drittel der Zeit für den Rückweg“ bei der Törnplanung berücksichtigt, kann entspannter auf Schietwetterphasen reagieren.

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