Der singende Hafenmeister

Hier wird´s musikalisch: In der Marina Mommark sorgt Hafenmeister Carsten Kock mit Gesang und Musik für Unterhaltung – und in der Saison begleitet er den Sonnenuntergang auf seinem Jagdhorn.

Mommark Mortensen 1

„Es ist Zeit, die Flagge einzuholen!”, heißt es jeden Abend in der Marina Mommark. Es ist der singende Hafenmeister Carsten Kock, von dem der Ruf ertönt. Anschließend hebt er das Jagdhorn zum Mund und lässt die kratzigen Töne durch die Marina hallen. Das Signal zum Essen und andere Jagdmelodien verbreiten eine magische und intensive Stimmung in den lauen Sommernächten. Bevor das Signal ertönte, lag jedes Boot für sich am Schwimmsteg, jetzt werden sie durch die schöne und etwas altmodische Tradition, deren Wurzeln weit zurück reichen, zu einer Marina versammelt.

„Ich begleite den Sonnenuntergang vom 1. Juli bis 31. August. Wenn die Stimmung und das Wetter es zulassen spiele ich auch an anderen Abenden außerhalb der Saison”, erzählt der geschickte Jagdhornspieler.

Plötzlich Gesang

Carsten Kocks musikalisches Talent hört jedoch nicht beim Jagdhornspielen auf. Oft fängt er spontan an zu singen, sodass er bereits als der „singende Hafenmeister“ bekannt geworden ist. „Wenn die Stimmung danach ist, sitze ich in einer Ecke im Café und singe. Mein Equipment steht allzeit bereit, damit ich gleich loslegen kann, wenn mir danach ist. Manchmal zieht es mich auch nach draußen oder in unser Festzelt, dann gibt es meist ganz spontan ein Fest. Manchmal ist es aber auch etwas geplanter, dann bieten wir Spanferkelessen an und ich begleite den Abend mit Gesang“, berichtet der Hafenmeister.

Meistens wird der originale Song instrumental abgespielt und Carsten gibt den Gesang dazu. Ab und an spielt er jedoch selbst auf seiner Gitarre, wegen der Unterhaltung und weil es einfach besser für ihn läuft, wenn er ein Instrument in den Händen hält. „Es sind meist englische Lieder, Ohrwürmer und Evergreens, die am besten ankommen. Singe ich auf Deutsch oder Dänisch, werden einige Gäste ausgeschlossen. Es sind die guten alten Stücke, die die Gäste lieben und zu denen sie mitsingen können. Ab und an gebe ich Vollgas, und dann wird getanzt.“

Mommark Mortensen 2

Immer dabei

Carsten Kock kann durchaus mehr, als seine Gäste zu unterhalten. Er selbst hat viele Jobbeschreibungen, welche einen Teil seiner vielfältigen Aufgaben bezeichnen: Campingwart, Musiker, Oberkellner, Hafenmeister, Würstchenverkäufer, Abwäscher, Bootskranführer, Kioskverantwortlicher. Ja, der Hafenmeister in Mommark ist wirklich ein umtriebiger Kerl mit vielen Talenten und Hobbys. Er hat seinen Platz gefunden und sowohl er als auch seine Umgebung haben große Freude an seinem Tatendrang. „Ich trage den Titel ‚Dipl. Alles‘, “ lacht er.

Tatsächlich gehört Carsten Kock der gesamte Hafenbereich mitsamt Campingplatz, gepflegtem Badestrand, Restaurant und Marina. Im April 2013 kaufte er dies der Kommune Sonderburg ab. Seitdem baut er um und an und renoviert jedes Jahr. Im Winter wurde ein ganz neues Gebäude gebaut, in welchem nun die Rezeption und die Abwaschküche zu finden sind, damit das Restaurant sich seinen Platz nicht mehr mit der Rezeption teilen muss. „Somit können wir die Küche vergrößern und das Essen schneller zubereiten”, sagt Carsten Kock und fügt hinzu, dass das Restaurant sehr gut besucht ist – in der Saison werden täglich 250 Essen serviert. Und wie er schon sagt: „Es ist schön, dass sich alles so entwickelt, wie ich es mir vorgestellt habe. Das alles ist natürlich nur machbar, weil ich gute und zuverlässige Mitarbeiter habe. Wir wachsen und ich bin zufrieden.“

Es gibt einen sehr umfassenden Entwicklungsplan für die Region. Sollte dieser vollständig verwirklicht werden, stehen Investitionen in Höhe von rund 800 Millionen Kronen an. Es ist allerdings schwierig, eine Finanzierung für so ein Vorhaben in diesem Teil des Landes, völlig ab vom Schuss, zu bekommen – also Stück für Stück. „Ein kleines Stück vom Plan verwirkliche ich Jahr für Jahr. Es ist ja kein Geheimnis, dass die Marina alt ist, und ein Teil der Mole und andere Teile in den nächsten Jahren erneuert werden müssen. Immerhin haben wir schon ein Drei-Sterne-Servicegebäude.“ Der große Umbau über den Winter ist das bisher größte Projekt. Hierfür hat der Hafenmeister auf die entspannte Jahreszeit mit viel Familienzeit verzichtet und war stattdessen weiter fleißig.

Die ganze Familie mit dabei

Und eben die Unterstützung durch die Familie und das Familienleben ist etwas, und darüber ist Carsten Kock sich vollkommen bewusst, ohne die das ganze überhaupt nicht funktionieren würde. Man könnte denken, dass das Familienleben durch so einen Job leidet, aber dafür hat die Familie eine Lösung gefunden: Carstens Frau Jette und die beiden Töchter, Maria und Katrine, sind mit im Boot. Jette arbeitet eigentlich als Pädagogin und hilft in der Saison freitags bis sonntags im Restaurant aus. Die älteste Tochter, Maria, arbeitet bereits seit ein paar Jahren hier, und nun ist auch die Jüngste, Katrine, soweit, dass sie einige Stunden übernehmen kann. „Ich habe meine Familie immer dabei, wir arbeiten zusammen und verbringen so viel Zeit miteinander. Wir sind uns einig, dass es genauso sein soll. Das macht mich unglaublich glücklich, denn sonst wäre das alles nicht möglich“, verdeutlicht Carsten Kock.

Immer da

In der Saison wohnt Carsten selbst auf dem Campingplatz – während der Rest der Familie zu Hause wohnt. Es ist ihm lieber, vor Ort zu sein und für Rat und Tat zur Verfügung zu stehen, wenn ihn jemand braucht. Dies sind natürlich besonders lange Tage, vom Frühstück um sieben bis zum Sonnenuntergang. Aber er ist überzeugt: „Es ist ja keine harte Arbeit. Es gibt Zeiten, da bin ich einfach nur hier und trinke einen Becher Kaffee oder unterhalte mich mit den Gästen. Es ist einfach wichtig, dass ich erreichbar bin, wenn jemand meine Hilfe braucht.“ Neben Carsten Kock gibt es noch vier festangestellte Mitarbeiter und in der Saison zusätzlich 30 bis 40 Aushilfen.

Das Hafengeld wird hier noch „richtig“ bezahlt, mit Augenkontakt und einem kurzen Schnack. Carsten hat überhaupt keine Zweifel: „Bezahlung am Automaten? Sowas wird man in Mommark nicht erleben. Die meisten Segler kommen in die Rezeption zum Bezahlen, und abends mache ich meine Runde über die Stege und sammle das Geld der übrigen Gäste ein.  Die Segler sind froh darüber, dass es hier so läuft – es ist persönlicher und man kann sich austauschen. Das Persönliche hat hier eine große Bedeutung für alle und ist ein wesentlicher Teil von dem, was die Marina Mommark ausmacht.“

Frischer Fisch am Kai

Die Marina Mommark ist ein alter Hafen, gebaut 1938 als Wirtschaftshafen für Fischerei und Verschiffung von Rindern nach Faaborg. Hier gibt es 50 bis 60 Liegeplätze für Gäste, eine Nacht kostet zwischen 130,00 und 170,00 Kronen – inklusive Jagdhorn und Gesang. Außerdem gibt es hier auch Grillplätze und wunderschöne Natur. Fahrräder können geliehen werden – und ein gutes Essen gibt es natürlich im Restaurant. Die Busse fahren direkt von der Marina bis nach Sonderburg, Shopping und Sightseeing, zum Beispiel Schloss Sonderburg und Düppeler Schanze, steht somit nichts im Wege.

„Oft hören wir von den Gästen, dass es hier sehr schön und ordentlich ist – und das bedeutet mir sehr viel!“, fügt Carsten hinzu. Hier liegen immer noch zwei heimische Fischkutter, die Fisch einbringen und gerne mal eine frische Scholle über die Kaimauer zu den Gästen fliegen lassen – und natürlich auch das Restaurant zuverlässig mit frischem Fisch beliefern. „Wir haben einen Deal mit den Fischern, dass die besten Schollen, so um die 350 Gramm aufwärts, für uns rausgespickt werden und diese landen dann noch am selben Abend auf den Tellern unserer Gäste, nachdem wir die Fische in unserer Küche selbst ausgenommen und zubereitet haben“, erzählt Carsten Kock. Er hofft, die Produktion der regionalen Lebensmittel durch eine Muschelzucht ausbauen zu können. „Wir verkaufen unglaublich viele Fischgerichte und vor allem Miesmuscheln, es wäre doch toll, wenn die Leute die Muscheln vorher selbst an der Muschelbank ernten könnten.“

Vor Ort gibt es auch eine Räucherei, die Räucherwaren an das Restaurant liefert und an die Menschen in der Region verkauft. Auch hier wurde über Winter umgebaut und erweitert – große Fenster machen es möglich, beim Räuchern zu zuschauen.

Mommark Mortensen 3

Krebsfischer

Die Marina Mommark hat keinen Spielplatz. „Es ist eine ganz bewusste Entscheidung, wir versuchen das Publikum zu definieren, das wir uns wünschen – und das ist in erster Line das reifere Publikum. Hier gibt es keine nervigen Hüpfburgen oder Mooncars. Wir hatten einen kleinen Streichelzoo mit Ziegen und Zicklein, aber die haben den ganzen Tag gemeckert, also haben wir sie wieder verkauft. Ein Versuch mit stummen Kaninchen ging völlig in die Hose, da aus vier Kaninchen über Sommer plötzlich 68 wurden. Die Kaninchenbabys an die Kinder zu verschenken, hat leider auch nicht geklappt“, lacht Carsten Kock. „Nun sind wir auf der Suche nach Tieren, die keinen Ton von sich geben… Lustig ist, dass hier im Sommer wirklich viele Segler mit ihren Kindern herkommen, die spielen dann einfach miteinander und fischen nach Krebsen.“

Null Erfahrung

Die Frage, ob Carsten eigentlich gute Voraussetzungen für einen Job mit Campingplatz und Hafen mitgebracht hat, lässt sich wohl eher verneinen. „Ich hatte überhaupt keinen Plan von Häfen und Segeln als ich angefangen habe, aber ich war immerhin schon mal campen. Ich komme aus der Haushaltsgeräte-Branche und habe drei Geschäfte in Sonderburg, Hadersleben und Abenraade geführt. Kurz bevor ich 40 Jahre alt wurde, kam mir der Gedanke, dass ich für mich etwas Neues finden muss, denn die Konkurrenz zwischen Geschäften und Online-Handel wurde immer stärker.“

Vor den Haushaltsgeräten verdiente Carsten Kock seine Brötchen als Musiker … und auf diesem Weg wurde er fast direkt zum singenden Hafenmeister.

Carsten Kock hat schnell gelernt und heute verfügt er über ein umfassendes Wissen über Boote und Hafenbau und kann den Seglern gute Tipps geben, auch zu den technischen Dingen an Bord.

Der Traum

Auf die Frage, von was Carsten Kock so träumt, lautet die Antwort: „Meine Idee und mein Traum sind es, die Region zu einem beliebten Versammlungsort zu machen, mit maritimer Stimmung, der Marina, dem Strand, dem Campingplatz, den Fischern, den Seglern – ein Ort an dem die Leute gerne bleiben und die Stimmung gut ist. Es ist geplant, dass wir auch im Winter mehr geöffnet haben. So wie es jetzt ist, öffnen wir das Restaurant nur für Feiern, wir möchten aber auch gerne ein À la carte-Geschäft im Winter etablieren. Das würde auch bedeuten, dass wir über das ganze Jahr mehr Festangestellte beschäftigen können und die Arbeit besser über das Jahr verteilen können.“

Carsten Kock hofft, dass er sein Projekt verkaufen kann, wenn er 55 Jahre alt wird. „Ich bin selbständiger Geschäftsmann seit ich 20 Jahre alt bin. Reisen, entspannen und einfach mal frei haben, passte bisher nicht wirklich in mein Leben. Ich habe meiner Frau versprochen, dass ich aufhöre, wenn ich 55 bin. Dann fahren wir mit einem Mobile Home um die Welt.“

Mommark Mortensen 4


Weitere interessante Artikel


zurück zur Übersicht