459 Meilen Urlaubsfreude

Ein Törnbericht von Nina Schubert

Wir hatten dreieinhalb Wochen Segelurlaub. Das Wetter in Deutschland: durchwachsen. Die Törnplanung: Mal schauen, wie weit wir kommen. Das Ergebnis: Traumhafte Segeltour rund Seeland mit Abstechern nach Malmö und Anholt, 459 Seemeilen auf der Logge und tolle Erlebnisse. Ein Törnbericht (aus der Zeit vor Corona) in der Zusammenfassung.

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1. Tag: Eckernförde-Damp (11 Seemeilen)

Wir starten am Nachmittag Richtung Norden. Der kurze Schlag führt uns ins Ostsee Resort Damp.

Tipps für Hafentage: Toller Kinderspielplatz, Hundestrand, Strandvergnügen pur, Saunagänge im Mare Mara oder Entdeckerbad, schöne Spazierwege an der Ostsee

 

2. Tag: Damp-Spodsbjerg (40 Seemeilen)

Weiter geht’s Richtung Nordosten. Wir machen fest in Spodsbjerg auf der Ostseite der Insel Langeland.

Tipps für Hafentage: Liegeplatz mit Blick auf den Belt wählen (Kino!), Krebse und Fische angeln, Wandern und Radfahren (Karte und Infos gibt’s im Hafenbüro)

 

3. Tag: Spodsbjerg-Vejrø (23 Seemeilen)

Wir nehmen Kurs auf Vejrø. Der Wind ist leider nicht vorhanden, die Dieselfock muss die 23 Seemeilen allein bewältigen. Der Hafen ist jetzt, Anfang August, recht leer. Nachdem wir klariert haben, gehen wir an Land, schauen uns die Luxuswaschräume an, gehen zur Rezeption und zahlen das Hafengeld: 350 Kronen kostet uns das Liegen auf der Privatinsel. Aber es lohnt sich, denn es ist alles mit drin! Wir leihen uns zwei von den kostenfrei nutzbaren Mountainbikes, mit denen wir die Insel erkunden. Die Landschaft ist traumhaft schön, die alten verfallenen Häuser wurden restauriert. Es ist das reinste Bullerbü hier. Am Strand springen wir ins Wasser – es ist zwar noch recht kalt, aber trotzdem sooooo schön! Auf der Rücktour beobachten wir Fasane, Hasen, Gänse, Schweine und viele andere Tiere. Welch Idylle! Kurz überlegen wir, noch einen Tag zu bleiben, aber wir wollen möglichst schnell Meilen machen. Wir genießen schließlich die Abendsonne im Cockpit und freuen uns, die Insel wieder mal gesehen zu haben.

Tipps für Hafentage: Radtour über die Insel (Badesachen nicht vergessen!), Toben auf dem Kinderspielplatz, Führung durch die Gewächshäuser, kulinarisch verwöhnen lassen im Restaurant Skipperly (vorab reservieren!)

 

4. Tag: Vejrø – Stubbekøbing (26 Seemeilen)

Der Yachthafen von Stubbekøbing ist vor ein paar Jahren saniert worden. Die Stege sind gut in Schuss. Beim Spaziergang durch die pittoreske Stadt wird uns deutlich bewusst, wie stark Falster mit dem Wegzug der Inselbewohner zu kämpfen hat.

Tipps für Hafentage: Bummel durch die Altstadt, Pølser essen am Fährhafen

 

5. Tag: Stubbekøbing – Klinthom (Møn) (19 Seemeilen)

Wir legen um 7.30 Uhr ab, wieder ist so gut wie kein Wind aus nördlicher Richtung. Unter Maschine laufen wir durch die Rinne und weiter Richtung Klintholm. Der Hafen ist nahezu leer, als wir um 12.30 Uhr ankommen. Die Sonne lacht vom Himmel, wir haben Lust auf Strand und Baden. Am Hafen ergattern wir noch frische Scholle, die wir abends auf dem Grill garen. Mit Blick auf die untergehende Sonne genießen wir den Abend zutiefst.

Tipps für Hafentage: Ausflug per Rad oder mit dem Bus zu den Kreidefelsen (ein Muss für jeden, der noch nicht dort gewesen ist!), frischen Fisch direkt am Hafen kaufen, am Fischbüfett schwelgen im Restaurant Klintholm

 

6. bis 7. Tag: Klintholm – Rødvig (25 Seemeilen)

Um 7.30 Uhr laufen wir aus. Es ist bedeckt, und der Wind „stürmt“ mit knapp drei Knoten aus Ost. Die Maschine bringt uns an den menschenleeren Kreidefelsen vorbei – keine Schiffe weit und breit. Es hat sich wieder einmal gelohnt, früh aufzustehen. Als wir auf Nordkurs gehen, setzen wir nach zwei Stunden den Blister, da wir nun immerhin bis fünf Knoten Wind verbuchen. Endlich einmal wieder in Fahrt ohne Maschinengeräusche. Am Nachmittag laufen wir in den schon gut gefüllten Hafen von Rødvig ein. Wir entdecken eine freie Box und machen dort entspannt fest. Es folgt ein kleiner Rundgang in den Ort, und wir kaufen frische Waren im Supermarkt ein. Dabei finden wir einen fantastischen Fischladen – lecker!

Am nächsten Morgen werden wir nicht durch den Wecker geweckt, nein, es pfeift in den Riggs, es prasselt an Deck. Dann donnert und blitzt es in einer Tour. Na toll, wir bleiben erstmal liegen. Als es aufklart, machen wir uns auslaufklar, beenden diese Aufgabe aber rasch, als eine 50 Fuß-Motoryacht mit bleichen Gesichtern an Bord Rødvig als Nothafen anläuft. Draußen steht eine über zwei Meter hohe Welle, die aus Norden kommt. Also Umplanung. Wir erfahren, dass die Kommune Rundtouren durch die Region kostenfrei anbietet. Als der Bus gegen 13 Uhr den Hafen verlässt, sitzen wir an Bord des Busses und entdecken das Landesinnere und die Küste. Nach drei Stunden erreichen wir, um reichlich Impressionen und einem kleinen Spaziergang an Stevens Klint reicher, wieder den Hafen.

Tipps für Hafentage: Ausflug mit dem Bus durch den Südosten Seelands mit Fotostopp unter anderem am Vallø Slot (kostenfrei, Fahrplan im Touristbüro), Spaziergang an den Klippen, Räucherfisch kaufen im Fischladen am Hafen

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8. Tag: Rødvig – Malmö (34 Seemeilen)

Heute heißt es: früh aufstehen. Wir wollen nach Malmö. Es weht mit böigen 18 Knoten aus Nord – unserem Kurs. So kreuzen wir dem Ziel entgegen. Dabei müssen wir konzentriert auf die Berufsschifffahrt aufpassen. Um 15.45 Uhr sind die Leinen fest in Malmö-Dockan. Wir liegen mitten in dem neuen Stadtteil zwischen Häusern aus Stahl und Glas. Es folgt ein Stadtrundgang vorbei am bekannten Wolkenkratzer, durch den Schlosspark in die Altstadt. Überall tolle Restaurants mit viel Leben auf den Straßen. Da uns das Sommerwetter wieder erreicht hat, beschließen wir, draußen essen zu gehen – es gibt hervorragende Steaks und leckeres Bier. Das ganze Vergnügen kostet nicht mehr als in Deutschland. Hier könnten wir bleiben … . 

Tipps für Hafentage: kultureller Streifzug durchs Kunstmuseum, Stadtmuseum, Museum für Naturgeschichte und das Haus der Seefahrt (alle im Malmöhus Schloss), Spaziergang durch den Schlosspark, Shopping in den individuellen Geschäften der Innenstadt, draußen in den Cafés und Restaurants das Leben beobachten

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9.-10. Tag: Malmö – Rungsted (24 Seemeilen)

Um 8 Uhr motoren wir in absoluter Flaute aus dem Hafen und setzen den Kurs auf die Insel Ven ab, die wir an Steuerbord lassen und schwitzen an Bord. Die Sonne sticht vom Himmel, und die See liegt bleiern vor uns. Mittags machen wir in Rungsted fest. Abkühlungen im nassen Element folgen, und wir stellen mit Erstaunen fest, dass wir scheinbar das einzige deutsche Schiff in diesem großen Hafen sind. Wir erkunden die Gegend zu Fuß und informieren uns über die Zugverbindungen nach Kopenhagen.

Am nächsten Tag geht es mit dem Zug in die dänische Metropole, und wir laufen uns die Füße platt: Die kleine Meerjungfrau, Nyhavn, Schloss Amalienburg, Christiania – Kopenhagen hat jede Menge zu bieten für Kultur- und Erlebnishungrige.

Tipps für Hafentage: Flanieren am Hafen mit den vielen Restaurants, Cafés und Boutiquen, Ausflüge per Zug nach Kopenhagen (ca. 30 Minuten Fahrt) und per Bus nach Helsingør (ca. 40 Minuten Fahrt)

 

11. bis 14. Tag: Rungsted – Helsingør (10 Seemeilen)

Weiter geht es ins nahegelegene Helsingør. Vorsicht mit den Fähren, die zwischen dem dänischen Helsingør und dem schwedischen Helsingborg verkehren. Im Hafenhandbuch steht, dass sie keine Rücksicht auf vorfahrtsberechtigte Schiffe nehmen, und das scheint auch zu stimmen …Es klappt aber alles ohne Probleme. Die Hafeneinfahrt ist bei um die drei Knoten Strom aus Süd und einem davor befindlichen Fischernetz etwas anspruchsvoll, alles klappt aber gut. Wir machen fest und beobachten das Hafenkino bei stark zunehmendem Wind. Hafentage sind vorprogrammiert! An den nächsten beiden Tagen schlendern wir durch die Schutzmauern des Hamlet-Schlosses, besuchen das beeindruckende Schifffahrtsmuseum und genießen die Stadt mit ihren tollen Bauten.

Tipps für Hafentage: Spaziergang zum nahegelegenen Schloss Kronborg, Besuch des Maritimen Museums, Shoppingbummel durch die Innenstadt, Besichtigung des Doms

 

15. bis 16. Tag Helsingør – Anholt (58 Seemeilen)

Anholt, wir kommen … Bei perfekten Segelbedingungen geht es raumschots zu dem kleinen Eiland im Kattegat. Zu unserer Überraschung ist der Hafen recht leer, es sind um 18.30 Uhr nur wenige Masten zu sehen. Wir machen mit dem Heck an der Mooringtonne fest und legen an einem der neuen Schwimmstege an. Nach dem Klarieren geht’s vom Steg direkt an den feinsandigen Strand. Baden!!! Anschließend lassen wir es uns bei leckeren Burgern, Nachos und einem Bier in der Hafenkneipe gut gehen und beobachten weitere einlaufende Schiffe. Am nächsten Morgen heißt es: Erholungsmodus auf die höchste Stufe stellen. Die Fahrräder kommen an Land und werden von uns über die Insel bewegt. Wir besteigen Sanddünen und genießen den Blick über das blaue Kattegat bei wolkenlosem Himmel. Das Meer glitzert in der Sonne, bei uns glitzern die Schweißperlen. Es ist heiß, sodass die Aufstiege anstrengend sind. Schließlich kommen wir am einzigen Supermarkt der Insel vorbei und kaufen leckeres Grillfleisch. Der Grillplatz am Abend ist schnell gefüllt und gemeinsam wird viel gelacht. Trotz der tollen Stimmung haben wir für heute aber noch einen Wunsch. So verlassen wir kurz vor Sonnenuntergang diesen himmlischen Ort. Wir laufen mit Badezeug an den Strand. Den Sonnenuntergang genießen wir im Wasser – herrlich!

Tipps für Hafentage: Radtour über die Insel (Leihfahrräder gibt’s in Hafennähe), „Berge“ besteigen und den Ausblick genießen, Besuch des kleinen Heimatmuseums, Baden im kristallklaren Wasser, Kunsthandwerk kaufen in der Gärtnerei, Jomfruhummer morgens direkt vom Kutter kaufen

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17. Tag Anholt – Sejerø (56 Seemeilen)

Anholt ist der nördlichste Punkt unseres Sommerurlaubes, jetzt geht’s wieder Richtung Süden. Wir machen fest auf Sejerø und fühlen uns in eine andere Zeit versetzt. Die Zeit muss hier irgendwann stehen geblieben sein – toll.

Tipps für Hafentage: Spaziergang durchs Dorf, Besichtigung der kleinen Kirche, Wanderung entlang der Küste, Golfspielen auf dem Sejerø Golfklub-Platz

 

18. Tag Sejerø – Lundeborg (51 Seemeilen)

Es geht weiter durch den Großen Belt. Abends um 18.30 Uhr ergattern wir in Lundeborg den letzten freien Liegeplatz.

Tipps für Hafentage: Brötchen bei der Hafenmeisterin für den nächsten Tag vorbestellen (!), Wandern und Radfahren in der Umgebung, toller Wikingerspielplatz für Kinder

 

19. bis 21. Tag Lundeborg – Faaborg (29 Seemeilen)

Durch den Svendborgsund laufen wir Richtung Faaborg und machen im Yachthafen fest. Der Wetterbericht behält Recht, das bisherige Südseefeeling schwindet, Sturm und Regen nahen, die Kuchenbude wird mal wieder aufgebaut – Hafentage stehen an.

Tipps für Hafentage: Spaziergang durch die Altstadt, Besichtigung des Faaborg Museums und der Helligaandskirken, Bummel durch die Einkaufsstraßen, Räucherfisch kaufen am Hafen

 

22. bis 23. Tag Faaborg – Lyø (6 Seemeilen)

Der Wetterbericht verspricht nicht viel Besserung. Gegen Mittag nimmt der Wind kurzzeitig ab. Ziel 1: Grillfleisch beim Schlachter holen. Ziel 2: Lyø. Ziel 1 ist im Eiltempo erfüllt, dann geht es bei bedecktem grauem Himmel aus dem Hafen. Eine Stunde später machen wir die Leinen auf unserer Lieblingsinsel in der dänischen Südsee fest. Nach einem Spaziergang durch das Dorf und über die Insel geht’s auf zum Grillplatz. Am Nachbartisch wird Geburtstag gefeiert. So wird es ein feuchtfröhlicher Abend, der spät endet…

Am nächsten Tag pfeift es wieder aus den Wolken. Hafentag. Und: Deck waschen. Nach drei Wochen Sonne und Salz ist Bootspflege angesagt.

Tipps für Hafentage: Spaziergang oder Radtour über die Insel, Besichtigung des Dorfes mit der Kirche, dem Friedhof und den Häusern (viele der Häuser im Dorf sind aus dem 18. Jahrhundert, einige sind sogar noch älter) – Nostalgie pur!, Streifzug durch die Natur entlang der Küste

 

24. Tag Lyø – Eckernförde (48 Seemeilen)

Der letzte Urlaubstag. Der Wind hat abgenommen, weht aber immer noch kräftig aus Süd bis Südwest. Hoch am Wind geht’s Richtung Heimathafen. Um 17.30 Uhr machen wir im Segelclub Eckernförde das letzte Mal in diesem Urlaub unsere Leinen fest.

Tipps für Hafentage: Spaziergang in die Innenstadt, Fischbrötchen essen am Hafen oder frischen Fisch vom Kutter kaufen, Bonbonkocherei besichtigen, Planschen und Schwitzen im Meerwasserwellenbad, Nicolaikirche besichtigen


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