Einhandsegeln ist der letzte Schrei bei Langstreckenregatten. Die „Silverrudder“ rund um Fünen mit über 300 teilnehmenden Booten ist die größte. Aber auch „Rund um Seeland“ und „Watski 123 star“ haben Einhandfelder. Das Neueste ist eine über 600 See-meilen lange  Regatta solo rund um Dänemark.

In den letzten Jahren ist Einhandsegeln unglaublich beliebt geworden – vielleicht weil es einfacher ist, nur sich selbst anzumelden, statt eine ganze Besatzung für die Regatta selbst, gemeinsames Trainings und für den Transport vom und zum Heimathafen zusammenzutrommeln.

Und warum nicht Tourensegeln? Es ist ja ein herrliches Erlebnis, gemeinsam mit seinem Partner, seinen Kindern oder guten Freunden auf See zu sein, mit denen man die Erlebnisse und eine kühle Flasche Weiß-wein bei Sonnenuntergang nach einem schönen Tag auf dem Wasser teilen kann. Warum also allein segeln, werden sich viele fragen?

 

Mindfulness und Wind im Haar

Für mich gilt, dass ich es einfach genieße. Ohne Kinder kann ich mir erlauben, etwas schärfer zu segeln – die Segel später zu reffen, längere Schläge auf einmal zu fahren und bei härterem Wetter aus-zulaufen, als wenn die Familie dabei ist. Das ist so etwas wie ”mindfulness”, wofür andere viel Geld ausgeben. Draußen auf dem Meer braucht man nicht an Hypotheken, Rechnungen oder Elternabende im Kindergarten zu denken. Man ist weit weg von allen großen und kleinen Alltagspflichten und nur den Launen der Natur unterworfen. Nur du, dein Boot und die Natur!

 

Alle Manöver müssen durchdacht werden

Allein auf dem Meer müssen alle Manöver vorher gründlich durchdacht werden. Man gewinnt natürlich nicht eine Regatta, wenn man allein über Stag geht, aber mit etwas Übung geht das genauso schnell wie mit Gasten.

Es ist eindeutig individuell, was dazu gehört, um alleine zu segeln. Manche Boote sind leichter zu handhaben als andere. Dank einiger Übung segle ich heute ohne größere Probleme ein übertakeltes Boot mit Backstag, bei dem es oft notwendig ist, das Großsegel zu reffen. Den Spinnaker setze ich jedoch normalerweise nur bei ganz leichtem Wind.

Ausrüstung und Sicherheit

Auch die Wahl der Ausrüstung ist Geschmacksache, aber eine Selbststeuerung ist fast unentbehrlich – wenn Segel gesetzt und geborgen werden, aber auch, um das Cockpit zu verlassen, um zur Toilette zu gehen oder Kaffee, Snacks usw. zu holen. Eine Rollfock ist ebenfalls fast ein Muss, so dass man nicht aufs Vorderdeck braucht. Aber das ist ja inzwischen auf Tourenbooten Standard.

Die Sicherheit ist durch Sicherheitsleinen an beiden Seiten des Bootes gewährleistet. Es geht vor allen Dingen darum, nicht ins Wasser zu fallen, denn die Selbststeuerung wendet ja nicht das Boot und sammelt den Segler wieder auf.

 

Hafenmanöver

Wie sieht es mit den beliebten und gefürchteten Hafenmanövern aus, wenn man keinen Gast auf dem Vorderdeck hat? Eine Einholerleine ist an Pfählen eine gute Lösung. Ich habe einen Trick von einem alten Einhandsegler gelernt: Man stoppt, wenn die Pfähle etwa in der Mitte des Bootes liegen. Dann befestigt man eine kurze Leine mit Karabiner (ich benutze dafür die Rettungsleine) an der Einholerleine in Luv und belegt sie am Steven. Auf diese Weise kann man in aller Ruhe die Achtervertäuung anbringen und das Boot danach an den Steg ziehen, um die Vertäuung vorn zu befestigen. 

Wenn ich längsschiffs liegen muss, nehme ich die Vertäuung außen um die Wanten herum mit ins Cockpit, so dass ich mit beiden Tauen in der Hand an Land springen kann. Das ist im Grunde gar nicht so schwierig, und man kann ja an einer Stelle üben, wo reichlich Platz ist, so dass man keine Beulen in anderen Schiffen verursacht.

 

Ein Neujahrsvorsatz?

Obwohl ich beim Segeln gern mit Familien und Freunden zusammen bin, macht es mir genauso viel Spaß allein zu segeln, da man dabei wirklich seine eigenen Fähigkeiten erprobt. Ich bin kein Anhänger von Neujahrsvorsätzen, die man sowieso nicht einhält, aber ich habe mir vorgenommen, nächstes Jahr an einer Einhandregatta teilzunehme. Es ist ein guter Anlass, allein zu segeln, und ein guter Grund, die Finessen einzuüben, die es braucht, um das Boot allein zu meistern.