Schwarze Flaggen mit einem freundlichen Smiley in den dänischen Häfen beziehen sich nicht auf den Hygienestandard in der Kombüse, der wohl oft hängende Mundwinkel auslösen würde.

Nein, es ist die BOB-Flagge der Dänischen Seglerunion für Familien mit Kindern, die Spielkameraden suchen. 

Der Zweck der BOB-Flagge ist es, dass die Kinder an Bord schnell und einfach zeigensignalisieren können, dass sie Spielkameraden suchen -  oder umgekehrt selbst neue Freunde finden, indem sie einen Blick auf die Masten werfen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass diejenigen, die es nicht so reizvoll finden, wenn Kinder mit einem Schallpegel wie bei einem mittelgroßen Kindergeburtstag lärmen oder unschuldige Krabben mit Fischabfall bom-bardieren und im Übrigen um sechs Uhr morgens hellwach sind, am entgegengesetzten Ende des Hafens Zuflucht suchen können.

Obwohl wir in den letzten Jahren immer mehr Seglerfamilien mit Kin-dern getroffen haben, müssen wir feststellen, dass BOB in dieser Saison jedenfalls für unsere Kinder nicht funktionierte. Obwohl die Flagge jedes Mal nach dem Anlegen gehisst wurde, erlebten wir nicht gerade eine Invasion von fröhlichen Spielkameraden. Einmal entdeckte Ellen (sechs Jahre) in Helsingør eine BOB-Flagge auf einem Boot, das leider gleich nach unserer Ankunft wieder ablegte.

Nun halten Kinder ja glücklicherweise nacheinander Ausschau, und nette blonde Mädchen mit Salzwasser im Haar locken seit eh und je die Jungens an. Bevor wir uns umsahen, saß Ellen also in einem Schlauch-boot, während zwei Jungens ihre enormen Muskeln und Fähigkeiten in der edlen Kunst des Ruderns demonstrierten. 

Danach besuchten alle drei das Hüpfkissen und beide Elternpaare, wo sie natürlich die Zuckerdepots gründlich auffüllten. Die Idee mit der BOB-Flagge ist gut, und wenn die Leute sie erst kennen lernen, wird sie sicher auch ihren Zweck erfüllen – und sei es nur als Warnung, wenn der Wind auffrischt. Die 45x45 cm große Flagge ist nämlich groß genug, dass sie nicht nur aus einiger Entfernung zu sehen ist, sondern auch die Wanten zum Klappern bringt, wenn der Wind auffrischt. Das führte in diesem Sommer mehrmals dazu, dass der Skipper mitten in der Nacht nur in Unterhosen am Deck musste, um den Ruhestörer zu bergen.

Auf längere Sicht spricht die BOB-Flagge hoffentlich eine Menge spielender Kinder in den Häfen an – zur Freude von Eltern und Kindern, aber vielleicht zum Ärger derjenigen, die Ruhe und Frieden in den Häfen suchen.